Zum Ende des Weltmusikfestivals grenzenlos


Nach der drastischen Kürzung der für ein Festival dieser künstlerischen Qualität unabdingbaren Zuschüsse durch die Marktgemeinde Murnau sahen wir uns gezwungen, das Weltmusikfestival grenzenlos zu beenden. Diese Entscheidung ist keine freiwillige, sondern die direkte Folge kommunalpolitischer Prioritätensetzungen, die künstlerische Qualität und kulturelle Verantwortung offenkundig hintanstellen.


Wir danken allen, die dieses Festival über viele Jahre hinweg ermöglicht und getragen haben. Dass es seit dem Jahr 2000 gelungen ist, in einem kleinen und keineswegs kulturverwöhnten Ort wie Murnau jährlich ein internationales Musikfestival mit herausragenden Künstlerinnen und Künstlern zu realisieren, war kein Selbstläufer, sondern das Ergebnis kontinuierlicher Arbeit, Überzeugungskraft und eines Publikums, das bereit war, sich auf künstlerische Herausforderungen einzulassen.


Unser besonderer Dank gilt dem Bayerischen Rundfunk, der das Festival seit 2004 kontinuierlich begleitet und durch seine Sendungen weit über die Region hinaus sichtbar gemacht hat. Ebenso danken wir unserem Publikum, das durch seine Offenheit, Neugier und Resonanz jene künstlerische Arbeit erst möglich gemacht hat, die nun aus politischen Gründen nicht weitergeführt werden kann.


In der Sendung zum Ende des Festivals am 6. Dezember in BR Klassik hat der Redakteur Roland Spiegel die künstlerische Haltung des Festivals und die kulturpolitische Tragweite seines Endes unmissverständlich benannt:


„Denn es geht um ein Festivalprogramm, das stilistisch immer sehr offen war zwischen Jazz, klassischer Musik und Stücken mit unterschiedlichsten Folk-Einflüssen. Beim Weltmusikfestival „grenzenlos“ in Murnau war das 25 Jahre lang der Fall. Doch 2024 fand das Festival zum letzten Mal statt. 2025 wollte die Marktgemeinde Murnau nur noch einen Bruchteil der vorherigen finanziellen Unterstützung bereitstellen.
Man kann sich angesichts dessen schon fragen, ob die aktuellen politischen Vertreter des Marktgemeinde auch nur eine entfernte Idee von der künstlerischen Qualität und vom kulturellen Horizont des Festivals „grenzenlos“ haben. Denn bei diesem Festival waren stets international herausragende Musikerinnen und Musiker unterschiedlicher Szenen zu erleben. Und das Programm war stets mit viel Fingerspitzengefühl auf die aktuelle Weltlage hin konzipiert. Es ging etwa um Themen wie „Freiheit“ oder auch um das Leben und Überleben in kriegerischen Zeiten – allerdings waren solche Themen nicht mit holzhammerartiger Direktheit formuliert. Das Publikum musste schon offen für ein bisschen Denkarbeit sein. Und war es auch.“
(Roland Spiegel, in der Sendung am 6. Dezember 2025: Jazz und mehr „Die Offenen“)


Am Freitag, den 30. Januar 2026, um 23.05 Uhr bis 00.00 Uhr wird Roland Spiegel in der Sendung von BR Klassik „Jazz Unlimited“ unter dem Titel „Die Grenzenlosen – eine Coda“ noch einmal Musik aus verschiedenen Festivaljahren präsentieren. Zu hören sein werden Mitschnitte von Konzerten u. a. von Carla Bley, John Scofield, Aki Takase & Alexander Schlippenbach, Ferdinand Försch und Maria Pia De Vito.


Wir laden Sie ein, noch ein letztes Mal grenzenlos zu hören – als Bilanz von 25 Jahren konsequenter künstlerischer Arbeit und als Nachhall eines Festivals, das nicht an fehlendem Publikum, mangelnder Qualität oder Relevanz gescheitert ist, sondern an einem kulturpolitischen Desinteresse, das den Verlust internationaler Kulturarbeit auf kommunaler Ebene offenbar billigend in Kauf nimmt.


Thomas Köthe
Kulturverein Murnau e.V.